Unternehmensübernahmen und -fusionen (M&A — Mergers & Acquisitions) gehören zu den komplexesten rechtlichen und geschäftlichen Transaktionen, mit denen ein Unternehmen konfrontiert werden kann. Der Unterschied zwischen einem gut strukturierten M&A-Prozess und einer „blinden” Übernahme kann in Millionenbeträgen gemessen werden — als Verlust oder Gewinn. Die Due Diligence (DD) ist eine systematische Prüfung, die alle Risiken, Verbindlichkeiten und Werte des Zielunternehmens erfasst, bevor irgendein verbindliches Dokument unterzeichnet wird.
In Serbien, wo Registerdaten nicht immer aktuell sind, Gerichtsverfahren langwierig sind und die Vertragsdokumentation historischer Vereinbarungen bisweilen lückenhaft ist, kommt einer qualitativ hochwertigen Due Diligence besonderes Gewicht zu. Ein Käufer, der diese Phase überspringt, weiß nicht, was er tatsächlich erwirbt.
Dieser Text hat informativen Charakter und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.
Was ist Due Diligence und warum ist sie unumgänglich
Due Diligence ist ein strukturierter Prozess zur Erhebung, Analyse und Verifizierung von Informationen über das Zielunternehmen (Target). Das Ziel besteht nicht nur in der Identifizierung von Risiken, sondern auch in:
- Ermittlung des tatsächlichen Transaktionswerts (Valuation Support)
- Preisverhandlungen und Konditionen auf der Grundlage der Ergebnisse (Representations & Warranties)
- Festlegung von Pflichten nach der Akquisition und Integrationsbedarf
- Schaffung einer Grundlage für mögliche Schadensersatzansprüche in der Zukunft
Der DD-Prozess wird nach Unterzeichnung eines Absichtsbriefs (Letter of Intent — LOI) oder Term Sheets eingeleitet, das die grundlegenden Transaktionsbedingungen festlegt und eine Exklusivverhandlungsphase eröffnet.
Rechtliche Due Diligence: Der Kern der Prüfung
Die rechtliche Prüfung ist der umfangreichste Teil der DD und umfasst folgende Bereiche:
Konzernstruktur und Eigentumsverhältnisse Prüfung der Gründungsdokumente, der im Handelsregister (Agencija za privredne registre — APR) eingetragenen Daten, der Eigentumsübertragungshistorie sowie Analyse, ob der aktuelle Verkäufer tatsächlich zur Veräußerung berechtigt ist. Besonders wichtig ist die Prüfung, ob Pfandrechte auf Gesellschaftsanteilen oder Aktien bestehen.
Vertragliche Beziehungen Prüfung aller wesentlichen Verträge (Kunden-, Lieferanten-, Miet-, Lizenz- und Partnerschaftsverträge). Besonderes Augenmerk gilt: automatischer Verlängerung, Kontrollwechselklauseln (Change of Control), Vertragsstrafen für vorzeitige Kündigung sowie nicht offengelegten Nebenabkommen.
Arbeitsverhältnisse Analyse der Arbeitsverträge, Tarifverträge, ausstehender Rückstandsverbindlichkeiten, arbeitsrechtlicher Streitigkeiten und potenzieller Pflichten im Zusammenhang mit der Beendigung von Arbeitsverhältnissen bei Eigentümerwechsel.
Streitigkeiten und Gerichtsverfahren Einsichtnahme in Gerichtsregister, Überprüfung aktiver Rechtsstreitigkeiten (als Kläger oder Beklagter), Schiedsverfahren und potenzieller künftiger Klagen. Manche Rechtsstreitigkeiten werden nicht aktiv betrieben, können jedoch nach einem Eigentümerwechsel eskalieren.
Geistiges Eigentum Prüfung der Eintragung und des Eigentums an Marken, Patenten, Urheberrechten und Software. Gehört das geistige Eigentum tatsächlich dem Unternehmen oder den Gründern persönlich? Gibt es Lizenzvereinbarungen, die die Nutzung einschränken?
Finanzielle und steuerliche Due Diligence
Das Rechtsteam arbeitet parallel mit Finanzanalysten zusammen, die Folgendes prüfen:
- Bilanzen und Gewinn-und-Verlust-Rechnungen der letzten 3–5 Jahre
- Liquiditätslage und Free Cash Flow
- Einbringlichkeit von Forderungen und Schuldneranalyse (Aging)
- Steuerverbindlichkeiten und etwaige Steuerrückstände gegenüber der Steuerverwaltung
- Laufende Steuerprüfungen oder noch nicht abgeschlossene Steuerrevisionen
In Serbien ist es besonders wichtig, den Stand der Beitragsverbindlichkeiten zur Pflichtversicherung (Sozialversicherungsbeiträge) zu prüfen — auf diese Verbindlichkeiten finden die für reguläre Steuern geltenden Verjährungsvorschriften keine Anwendung, sodass sie auf den ersten Blick verborgen bleiben können.
Belastungen des Vermögens: Hypotheken, Pfandrechte und fiduziarische Übertragungen von Immobilien oder Ausrüstung müssen identifiziert werden. Zu prüfende Register umfassen: das Pfandrechtsregister beim APR, das Liegenschaftskataster beim Republikanischen Geodätischen Amt (Republički geodetski zavod — RGZ) sowie das Einheitliche Register der Steuerpflichtigen bei der Steuerverwaltung.
Due Diligence und regulatorische Aspekte
Für bestimmte Transaktionen erfordert M&A die vorherige Zustimmung der zuständigen Regulierungsbehörden:
Kommission für den Schutz des Wettbewerbs (Komisija za zaštitu konkurencije — KZK): Zusammenschlüsse, die bestimmte Umsatzschwellenwerte überschreiten, müssen der KZK vor der Vollziehung angemeldet werden. Die Vollziehung eines Zusammenschlusses ohne Genehmigung kann eine Geldbuße von bis zu 10 % des gesamten im Hoheitsgebiet der Republik Serbien erzielten Jahresumsatzes nach sich ziehen. Die Schwellenwerte sind im Gesetz über den Schutz des Wettbewerbs (Zakon o zaštiti konkurencije) festgelegt und müssen für jede konkrete Transaktion überprüft werden.
Sektorielle Regulierungsbehörden: Übernahmen im Bankensektor erfordern die Zustimmung der Nationalbank Serbiens (Narodna banka Srbije — NBS); im Energiebereich die der Energieagentur der Republik Serbien (Agencija za energetiku Republike Srbije — AERS); im Telekommunikationsbereich die der Regulierungsbehörde für elektronische Kommunikation und Postdienste (Regulatorna agencija za elektronske komunikacije i poštanske usluge — RATEL). Jedes dieser Verfahren hat spezifische Anforderungen und Fristen.
Ausländische Investitionen: Serbien verfügt über kein allgemeines Vorprüfungsregime für ausländische Direktinvestitionen (FDI-Screening) — das Investitionsgesetz (Zakon o ulaganjima) stellt inländische und ausländische Investoren gleich. In bestimmten regulierten Sektoren (Bankwesen, Versicherungswesen, Medien, Energiewirtschaft) sehen sektorspezifische Vorschriften jedoch besondere Genehmigungen vor, die unabhängig davon gelten, ob der Erwerber eine in- oder ausländische Person ist.
Representations & Warranties und Käuferschutz
Nach der DD verhandelt der Käufer über Zusicherungen und Gewährleistungen (R&W — Representations & Warranties), die der Verkäufer im Anteilskaufvertrag (SPA — Share Purchase Agreement) abgibt. Diese Zusicherungen decken alle wesentlichen Prüfungsaspekte ab und bilden die Grundlage für einen Schadensersatzanspruch, falls sich nachträglich herausstellt, dass der Verkäufer unrichtige Angaben gemacht hat.
Ein typischer SPA enthält: – Freistellungsklauseln (Indemnity) für spezifische im Rahmen der DD identifizierte Risiken – Treuhandmechanismus (Escrow) — ein Teil des Kaufpreises wird für einen bestimmten Zeitraum als Sicherheit für etwaige R&W-Ansprüche einbehalten – Earn-out-Bestimmungen — ein Teil des Kaufpreises ist an künftige Geschäftsergebnisse geknüpft (relevant bei Unternehmen mit projiziertem Wachstum) – Haftungsbegrenzungen (Limitation of Liability) — Obergrenzen und Untergrenzen für Schadensersatzansprüche sowie Verjährungsfristen
Praktische Organisation des DD-Prozesses
Die moderne Due Diligence wird über virtuelle Datenräume (Virtual Data Room — VDR) abgewickelt, in denen der Verkäufer die Unterlagen strukturiert hinterlegt. Der Käufer und seine Berater führen die Analyse durch, und die Kommunikation erfolgt über formelle Frage-und-Antwort-Verfahren (Q&A), die dokumentiert bleiben.
Vor der Öffnung des VDR unterzeichnen die Parteien einen Geheimhaltungsvertrag (NDA — Non-Disclosure Agreement), der die Geschäftsgeheimnisse des Verkäufers für den Fall schützt, dass die Transaktion nicht abgeschlossen wird.
Der vom Rechtsanwalt erstellte DD-Bericht ist kein Selbstzweck — er ist ein Instrument für Verhandlungen und Entscheidungsfindung. Der Käufer muss verstehen, welche Ergebnisse einen „Deal-Breaker” darstellen, welche durch Preisanpassungen bewältigbar sind und welche besonderer vertraglicher Absicherungen bedürfen.
Häufig gestellte Fragen (Q&A)
Wie lange dauert der Due-Diligence-Prozess für ein typisches mittelgroßes inländisches Unternehmen? Für ein mittelgroßes Unternehmen (Jahresumsatz 5–50 Millionen Euro) dauert eine vollständige DD in der Regel 4–8 Wochen, abhängig von der Ordnung der Dokumentation und der Verfügbarkeit wesentlicher Informationen. Eine unzureichende Dokumentationshistorie kann diesen Zeitraum verlängern.
Ist der Käufer verpflichtet, die Arbeitnehmer des Zielunternehmens über die Übernahme zu informieren? Während der DD-Phase sind Informationen über die Transaktion vertraulich. Das Arbeitsgesetz (Zakon o radu) schreibt in bestimmten Fällen statusrechtlicher Änderungen eine Unterrichtung der Arbeitnehmer vor (bei der Übertragung eines Unternehmens als Gesamtheit), was sich jedoch von der Übernahme von Gesellschaftsanteilen oder Aktien unterscheidet, bei der das Unternehmen als juristische Person unverändert fortbesteht. Die konkreten Pflichten hängen von der Art der Transaktion ab.
Was geschieht, wenn ein Risiko erst nach Abschluss der Übernahme entdeckt wird? Hat der Verkäufer im SPA unrichtige R&W-Zusicherungen abgegeben, steht dem Käufer ein Schadensersatzanspruch innerhalb der im SPA festgelegten Fristen und Grenzen zu. Dies ist der Grund, warum die präzise Formulierung der R&W- und Freistellungsklauseln ebenso wichtig ist wie die DD selbst.
Ist es notwendig, sowohl einen inländischen als auch einen ausländischen Anwalt bei einer Übernahme einzuschalten? Bei transnationalen M&A-Transaktionen (ausländischer Käufer, inländisches Zielunternehmen) ist es üblich, sowohl einen lokalen Anwalt (serbisches Recht, regulatorische Aspekte) als auch einen Berater des Käufers (Koordination von R&W-Versicherungen, internationale Strukturaspekte) zu beauftragen. Die Koordination zwischen den Teams ist entscheidend für die Konsistenz der Ergebnisse.
Schlussfolgerung
Die M&A Due Diligence ist keine Ausgabe, die durch Einsparungen beim Einsatz von Fachleuten optimiert werden kann — sie ist eine Investition zum Schutz vor potenziell weit größeren Verlusten. Jedes Unternehmen hat seine verborgene Geschichte: nicht erfasste Streitigkeiten, auf eine Steuerprüfung wartende Verbindlichkeiten, automatisch verlängernde Verträge.
Eine strukturierte, gründliche Due Diligence, begleitet von einem sorgfältig ausgehandelten SPA, ist der einzige Weg, den Transaktionswert angemessen zu definieren und zu schützen.
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Quellen: – https://www.paragraf.rs/propisi/zakon_o_privrednim_drustvima.html – https://www.paragraf.rs/propisi/zakon_o_poreskom_postupku_i_poreskoj_administraciji.html – https://www.apr.gov.rs/registri/privredna-drustva/statusne-promene.123.html – https://www.kzk.gov.rs/rs/akta-i-propisi/zakoni